Leichtsinn im Saulakamin

Leichtsinn im Saulakamin

Datum: 25. August 2017 
Alarmzeit: 21:47 Uhr 
Alarmierungsart: Pager 
Dauer: 8643 Stunden 42 Minuten 
Art: Bergeeinsatz  
Einsatzort: Saulakamin-Ost 
Einsatzleiter: Doblinger Alexander 
Mannschaftsstärke:
Fahrzeuge: Hyundai , Anhänger  


Einsatzbericht:

Leichtsin im Saulakamin

Drei Kletterer stiegen zu später Stunde in die Kletterroute ein und mussten dann einen Rückzug machen

Zu einem kuriosen, um nicht zu sagen aus Sicht der Bergrettung bedenklichen Einsatz, wurde die Ortsstelle Vandans am Sonntag, dem 21. August, gerufen.

Gegen neun Uhr Abends bemerkte der Hüttenwirt der Heinrich Hueter Hütte Lichtsignale im Saula Kamin. „Es handelte sich nicht eindeutig um ein alpines Notsignal“, so der Hüttenwirt. Trotzdem wurde nach Rücksprache mit der Bergrettung und einer Beobachtungszeit von 30 Minuten ein Einsatz ausgelöst, da sich die Lichter in keine Richtung bewegten und eine Notlage vermutet werden musste. Sieben Mann der Ortsstelle Vandans machten sich in Richtung Hueter Hütte auf, von denen vier Richtung Einstieg der Route loszogen, um die Situation abzuklären. Bei Eintreffen der ersten Bergretter am Wandfuß begann sich der erste Kletterer der Dreierseilschaft gerade die letzte Seillänge im Kamin abzuseilen. Dreißig Minuten später war auch der letzte Kletterer sicher wieder am Boden und gegen halbeins in der Früh befanden sich die sichtlich erschöpften Kletterer sicher bei der Hütte.

Wie kam es zu diesem Einsatz

Die Kletterer waren erst gegen halbsechs Uhr am Abend vom Lünersee kommend in die Route mit 16 Seillängen eingestiegen, für die eine durchschnittliche Zweierseilschaft zwischen vier und fünf Stunden benötigt. Die Route durch den Kamin gilt nicht als sehr schwierig, jedoch stark steinschlaggefährdet. „Es sollte eigentlich nicht erwähnt werden müssen, aber ein Steinschlagschutzhelm ist in dieser Route absolute Pflicht” (Auszug Kletterführer)”. Einer der Kletterer hatte keinen Helm, nur zwei eine Lampe. Nach Beobachtung müssen die Kletterer ungefähr in der sechsten Seillänge doch bemerkt haben, dass ihr Vorhaben nicht mehr durchzuführen ist und begannen den langwierigen Rückzug. „Eigentlich wollten wir um 22 Uhr wieder am Parkplatz der Lünerseebahn sein“, so einer der beteiligten Kletterer.

Resüme der Bergrettung

Abgesehen von der Unbekümmertheit um die Ausrüstung und fehlendem Gefahrenbewusstsein, ließ auch die Tourenplanung der Seilschaft sehr zu Wünschen übrig,“ erklärte der Einsatzleiter der Bergrettung. Zudem sahen sich die Bergretter mit der Frage konfrontiert, warum sie überhaupt ausgerückt waren. „Wenn unklare Lichtzeichen in einer Kletterroute gesichtet werden, die sich zudem nicht bewegen, müssen wir von einer Notlage ausgehn“, erklärt der erfahrene Einsatzleiter. „Stellen sie sich die Schlagzeile vor, wenn weder Hüttenwirt noch wir auf solche Zeichen reagieren und doch etwas passiert ist“, gibt der Einsatzleiter zu bedenken.

Die Bergrettung empfiehlt nachdrücklich, alpine Unternehmungen nur nach gründlicher Planung, Abschätzung des Risikopotentials und in geeigneter Ausrüstung und Kondition durchzuführen.